“Ab 1,80m fängt der Mensch erst an…” sagt Opa
April 14, 2010
Ich hab das Großsein eigentlich immer gehasst. Es erschwert den Kauf von Klamotten, immer sind die Beine im Weg, wenn man sich in Autos, Züge oder Flugzeuge setzt, der Kreislauf ist immer ein bisschen geschwächt von der enormen Pumpleistung, die zu verrichten ist und immer ist einem ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit gewiss, ob man will oder nicht. Klingt alles nicht so schlimm, ist es eigentlich auch nicht.
Schlimm ist allerdings, dass man dauernd auf diese ‘Abnormität’ hingewiesen wird.
Da gibt’s die Leute, die meinen, sie seien nett: “Mensch, bist du schön groß!”
Vielen Dank, ich hab ja auch mein ganzes Leben hart daran gearbeitet. Übrigens, meine einzige Leistung, ever.
Dann gibt’s die Neugierigen mit der meistgestellten Hassfrage: “Wie groß bist du eigentlich?”
Warum will man das wissen? Frage ich dich, wie viel du wiegst? Ich frage kleine Menschen auch nicht, wie klein sie sind. Warum auch? Inzwischen fallen mir auf diese Frage auch nur zwei Antworten ein: “eins fünfundsechzig” oder “zwei meter zwanzig” – sagt beides genauso viel über mich aus, wie die Wahrheit.
Dann gibt’s die Empörten, die man gottseidank nur als Heranwachsende ertragen muss: “Wo willst du denn noch hinwachsen! Meine Güte!”
Entschuldigung. I didn’t want to…
Oder die Ich-Bezogenen: “Ich fühl mich immer so klein neben dir.”
Vielen Dank. Und ich fühle mich neben dir wie ein entlaufener Wandschrank. Das weckt so richtig die Frau in mir.
Gemein ist auch, dass man sich nie beklagen darf. Großsein soll ja etwas Tolles sein, etwas Beneidenswertes. Darum wird einem auch sofort der Mund verboten, wenn man sich zu beschweren wagt. Ständig wird man darauf hingewiesen, wie gut man es hat und wie gerne andere zumindest ein bisschen größer wären (“Aber nicht sooo groß wie du.”). Aber die müssen für mich auch keine Mäntel kaufen gehen. Oder Schuhe.
Und weil man immer ein bisschen wie ein Leuchtturm im Raum steht, wird einem auch alles zugetraut, Megakräfte und Megaselbstbewusstsein.
Natürlich ist eigentlich alles gar nicht so schlimm. Und seit ich in der virtuellen Welt ein paar wirklich große Frauen gesehen habe, komme ich mir fast vor, wie ein schimpfender Zwerg. Unter den Großen gehöre ich nämlich noch zu den Kleinsten – und so unschön ist das wirklich nicht.
April 14, 2010 at 8:01 pm
zu konzerten zu spät kommen und immer noch was sehen können, im kino sitzen wo man will, auf der expo schon das ende der schlange erkennen, wenn andere noch hoffen, im auto vorne sitzen müssen.
April 14, 2010 at 8:21 pm
True story – auch mit den Vorteilen des Großseins könnte man einen ganzen Eintrag füllen
April 15, 2010 at 8:47 am
ich gehör wohl zu den sich-klein-fühlern xD (ich lebe in einer welt voller zu langer hosenbeine.)
:* <3
aber ich muß ja mal sagen, ich find’s toll, dass du so groß bist, denn erstens findet man dich in einer menge immer, und zweitens kann man dich immer fragen, ob du von da oben nicht besser sehen kannst wo/was/wie/wer/wo istetc.
April 15, 2010 at 9:07 am
harhar, letzteres erübrigt sich ja meistens weil ich so kurzsichtig bin, dass ich meine aussicht gar nicht richtig ausschöpfen kann – aber ja, ich vertrau auch meistens darauf, einfach gefunden zu werden ^^;