insomnia is my best friend

April 8, 2010

Wer nachts nicht schlafen kann, fürchtet sich jeden Abend vor dem nächsten Zubettgehen. Das war bei mir schon immer so. Früher gab es dafür Regeln, Sonntags lief die Lindenstraße, immer bis 19.10 Uhr und danach durfte man Lego spielen bis acht und genoss jede Minute des Noch-auf-sein-dürfens.

Das ich auch mit sechsundzwanzig das Schlafengehen hassen würde, hätte ich damals sicher nicht gedacht. Das ich manchmal auf meinem Balkon stehen würde, Nachbarn beobachten, eine junge Frau, die mit Zahnbürste im Mund auf ihrem Balkon steht und dem Schlaf entgegen sieht, so ganz ohne Angst, ohne traurig zu sein. Nicht so traurig wie ich, die das Ganze nur beobachtet und trotzdem einen Griff ums Herz spürt. Einen Tag, der zuende geht, eine Zeit, zu der die Menschen schlafen gehen und plötzlich alles still und dunkel wird. Wie beneidenswert. Denn was hat man schon davon, nachts auf zu sein, den Uhren beim Ticken zuzuören, nur auf der anderen Seite der Welt etwas zu verpassen und nicht zu erleben, wie am nächsten Tag die Sonne aufgeht und alle  ihren Tag beginnen. Nachteule klingt cool und ist es überhaupt nicht.

Da tröstet das Stadtleben. Wo Nachtbusse durch die Straßen fahren, Sirenen heulen, Straßenlaternen leuchten, andre durch die Straßen huschen und immer dieses Rauschen, dieses dumpfe Verkehrsbrummen mit dem ich aufgewachsen bin im Hintergrund läuft. Ich kann nicht schlafen ohne das, darum sind nachts die Fenster offen. Immer.

Auf dem Land gibt es keine Nachtbusse, kein Brummen. Letzte Nacht war das Fenster auf und trotzdem herrschte Totenstill. Drei Mal habe ich das Fenster überprüft, es nicht glauben können, mich hin und her gewälzt und schließlich geschlafen, als draußen endlich die Vögel zu singen begannen. Wenigstens etwas.

One Response to “insomnia is my best friend”

  1. tamtam Says:

    auch auf die gefahr hin, dass ich mich wiederhole: wenn du unbedingt nachts schlafen willst, schaff dir handwerker an, die dich morgens um 7 mit dem presslufthammer so vehement aus dem bett schmeißen, dass weiterschlafen völlig unmöglich ist. da stellt sich der schlafrhytmus ganz automatisch um. =/
    keine nachteule zu sein ist auch nur halb so cool wie es klingt. wach sein, wenn andere wach sind ist nämlich auch nicht abendfüllend, ganz im gegenteil… naja. der rasen ist auf der anderen seite halt immer grüner, nicht wahr? ;)


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